AZT Tag 58, ca. 10 Meilen bis zum Highway 89 durch die Wire Pass Canyons

Der Tag beginnt mit einem Blick auf den Himmel – und die Welt ist in Ordnung:

Die Berge vor mir gehören zu Utah. Ich bin von Mexiko durch Arizona nach Utah gelaufen. Und gestern Abend bin ich angekommen. Dies war die letzte Nacht im Zelt, und heute geht es zurück in die Zivilisation. Ich fotografiere meinen letzten Zeltplatz im Morgenlicht:

Noch etwas gehört zum letzen Tag: Der letzte Eintrag ins Trail Register. Auf der Seite begegnen mir viele bekannte Namen – Wanderer, die ich in den letzten Wochen getroffen habe, mit denen ich ein Stück Wegs gemeinsam gegangen bin, und die jetzt kurz vor mir diesen Weg beendet haben. Chaps, Chandler, Rodeo, Peter Pan, Sprite, Pops, Cruiser – und als momentan letzter Eintrag auf dieser Seite ich selbst, Strider.

Und dann bekomme ich Besuch. Push und Bear Hug kommen den letzten Hang heruntergelaufen, und mit ihnen noch drei weitere Wanderer, die mir bislang noch nicht begegnet sind. Die fünf haben bei der Suche nach einem Zeltplatz oberhalb des letzten Hanges etwas mehr Glück (oder etwas mehr Scheißegal-Mentalität in Bezug auf die Dornen) gehabt, haben die Nacht oben verbracht, und sind dann im ersten Tageslicht zum Ende des Trails gewandert. Händeschütteln, High-Fives, Umarmungen, Fotos – jetzt wird doch noch ein bisschen gefeiert. Und natürlich dürfen Fotos nicht fehlen, diesmal keine Selfies:

Und dann ist es Zeit, Abschied zu nehmen und zu gehen. Denn obwohl der Trail hier zu Ende ist, ist von Zivilisation noch nichts zu spüren. Das wird besonders auf der „Straße“ deutlich, die zu diesem abgelegenen Campingplatz führt, und die jetzt mein Weg wird:

Aber bevor alles zuende geht, kommt noch ein Highlight, auf das ich mich seit Tagen gefreut habe. Nach etwa drei Meilen Weg kommt ein großer Parkplatz, und dort dann der Eingang zum Wire Pass Canyon, einer der berühmten Slot Canyons im Süden Utahs. Anstatt direkt zur Straße zu gehen, begebe ich mich in die schmalen Gänge, die das Wasser in den weichen Stein gefräst hat. Bereits der Weg zum Eingang lässt vermuten, dass hier etwas außergewöhnliches folgen wird:

Und dann stimmt einfach alles. Das Wetter, das Licht, die Tageszeit – und ich komme aus dem Staunen nicht wieder heraus. Antelope Canyon ist inzwischen weltbekannt und ziemlich überlaufen, von Wire Pass hatte ich noch nie gehört. Es ist zwar nicht gerade ein Geheimtip (dem Füllstand des Parkplatzes nach zu urteilen), aber heute verteilen sich die Leute so, dass jedem viel Raum für das Staunen und Genießen bleibt. Und natürlich fürs Fotografieren:

Überwältigt von diesem Farben- und Lichtspiel, übersehe ich zunächst etwas, das kaum mehr als handtellergroß ist. Auf den zweiten Blick dann dieses Bild:

Jahrhunderte vor der Ankunft des weißen Mannes haben hier Menschen gelebt, und ihre Spuren hinterlassen. Ihre Kunst auf den Felswänden. Ich staune und versuche mir vorzustellen, wie das Leben in diesen Canyons wohl ausgesehen hat. Ohne Funktionskleidung, Ultra-Leicht-Rucksack, Trekking-Schuhe und Instant-Nahrung. Mit neu gewonnenem Respekt verlasse ich den Canyon. Und ein letztes Mal findet sich eine amerikanische Familie, die mich mit ihrem Auto vom Parkplatz mitnimmt ins nahe Kanab.

Dort noch eine Nacht im Hotel, dann weiter nach Las Vegas, dort krasses Kontrastprogramm am Pokertisch, Rückflug nach San Francisco, noch einmal ein Wiedersehen mit Carrie – und dann wird es wieder nach Hause gehen. Der Tag heute war ein grandioser Abschluss einer ebensolchen Wanderung.

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