AZT Tag 22, 17 Meilen bis AZT-Meile 265.9 am Gila-River

Der Tag beginnt wie der letzte geendet hat- in der Wüste, bei sehr warmen Temperaturen. 31 Grad Celsius sagt der Wetterbericht – es fühlt sich wärmer an, was auch daran liegt, dass es keinen Schatten gibt – wenn man von den schmalen Streifen absieht, die die Saguaros werfen. Klapperschlangenwetter!

Und so kommt es dann auch. Schon bald begegnet mir die erste Schlange (die nicht klappert), wartet bis zum Foto, und gleitet dann vom Weg:

Die zweite macht es genauso, allerdings nur unter klapperndem Protest:

Danach begegnet mir eine Bekannte aus Kalifornien, eine Krötenechse:

Das alles in einer Wüste, die in den schönsten Frühlingsfarben blüht:

Danach wird es ernst. Die dritte Schlange des Tages denkt nicht daran, mir Platz zu machen. Im Gegenteil verteidigt sie ihren Trail gegen mich:

Meine Versuche, sie mit meinem Wanderstock zu bewegen, resultieren in viel wütendem Klappern und schließlich in einem Angriff auf meinen Wanderstock. Ich sehe zum ersten Mal, wie schnell sich Klapperschlangen bewegen, wenn sie zubeißen. Keine Chance, da noch zu reagieren. Ich versuche, das Tier zu umgehen, doch der Hang ist auf beiden Seiten steil und bröckelig. Keine Chance. Also fange ich an, mit kleinen Steinchen nach der Schlange zu werfen. Ich will sie nicht verletzen, aber sie muss da weg! Eine Reaktion erhalte ich nur bei Treffern. Steine, die in der Nähe der Schlange auf den Boden schlagen, lassen sie völlig kalt. Schließlich, als ich vielleicht zehn mal getroffen habe, verkriecht sie sich zum Schutz unter Gräsern am Wegrand:

Mir ist nicht klar, ob sie von dort aus ihren Kopf vorstrecken und schnell zubeißen kann, aber ich beschließe, es zu riskieren. Begleitet von wütendem Klappern mache ich zwei schnelle Schritte und bin vorbei.

Im weiteren Verlauf sehe ich in der Ferne noch einmal Mount Lemmon, der inzwischen weit weg gerückt ist:

Einige Zeit später – es geht kontinuierlich bergab – dann diese Bilder:

Auf beiden sieht man Teile einer riesigen Kupfermine, die im offenen Tagebau betrieben wird. Einfach gesagt, wird hier von oben ein ganzer Berg abgetragen, und dabei das gesuchte Kupfererz aussortiert. Alles andere wird ins nächste Tal geschüttet.

Die Gegend ist reich an Kupfer, und seitdem dies im Goldrausch des 19. Jahrhunderts offenbar wurde, wird hier Kupfer abgebaut. Immer wieder sehe ich in den Bergen Reste alter, inzwischen aufgegebener Minen. Sie alle wirken geradezu niedlich im Vergleich zu diesem Monster. Trotzdem muss ich den Einheimischen Recht geben – im Verhältnis zur Natur ringsum ist die Fläche der Mine verschwindend klein. Und die Gegend ist dünn besiedelt, im Gegensatz zu den deutschen Braunkohlerevieren. Trotzdem, ich werde dieses Bild vor Augen haben, wenn ich das nächste Mal einen Kupferdraht in der Hand habe, und es wird mir nicht gefallen. Auch, weil ich immer wieder höre, dass das Regenwasser aus dem Abraum Alke möglichen Giftstoffe wäscht, die dann ins Trinkwasser gelangen.

Auf dem nächsten Bild ist die Mine im Hintergrund noch einmal zu sehen. In der Bildmitte eine absolute Seltenheit in Arizona: eine Straßenbrücke über einen Fluss! Ich bin im Tal des Gila-Rivers angekommen.

Kurze Zeit später überquere ich die Brücke. Der Fluss führt viel Wasser und fließt schnell:

Sehr breit ist er hingegen nicht.

Morgen werde ich diesen Fluss entlang wandern. Heute steige ich nur noch ins Flusstal hinab und suche mir einen Zeltplatz. Auf dem Weg dorthin komme ich an dem unscheinbaren Denkmal vorbei, das an die Fertigstellung des Arizona-Trails im Jahr 2011 erinnert:

Weiter bergab sehe ich, wie sehr das Flusswasser die Vegetation beeinflusst. Während außerhalb der Flussoase weiterhin Wüstenvegetation wächst, stehen in der Nähe des Flussufers Bäume:

Die Eisenbahnbrücke, die hier auch zu sehen ist, wird mein Tagesziel. Ich schlage mein Zelt auf und sehe die Brücke im letzten Sonnenlicht – siehe oben.

1 Comment

  1. Martin

    Gregor, Keep sharing your inspiring pictures and stories of the trail. Safe journey!

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